Gaienhofen Fellowship Bericht Praktikum bei der GIZ in Lesotho

von Luzian Singer (Abitur 2019)
Im Rahmen des ASA Programmes absolvierte ich von September bis Dezember dieses Jahres ein Praktikum bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Lesotho.

Lesotho ist generell ein relativ sicheres und wirtschaftlich recht stabiles Land in Subsahara Afrika, welches als Binnenstaat komplett von Südafrika umschlossen ist. Aus dieser geografischen Situation ergibt sich eine starke wirtschaftliche Anbindung und Abhängigkeit von Südafrika. Dies gilt insbesondere für Importe, viele Güter des alltäglichen Bedarfs werden aus Südafrika importiert, die Exporte hinge-gen sind niedrig. Grund dafür sind mehrere Faktoren: Die Industrie in Südafrika ist weitaus größer und wettbewerbsfähiger als jene Lesothos und viele (internationale) Unternehmen haben ihren Sitz in Südafrika und beliefern von hier aus Lesotho. Durch die starke Konkurrenz und den sehr kleinen Markt lohnt sich eine Fertigung in Lesotho nicht. Dies verhindert die Entwicklung einer eigenständigen Industrie erheblich. Gleichzeitig erzielt Lesotho erhebliche Einnahmen aus einem Wasservertrag mit Südafrika, welche einen großen Teil des Staatshaushalts ausmachen.

In Lesotho arbeitet die GIZ seit 1976 Schwerpunktthemen sind aktuell grenzüberschreitendes Wassermanagement, Förderung von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), sowie Energieeffizienz und erneuerbare Energien. Mit dem Regional Value Chains Lesotho (RVCL+) Programm unterstützt die GIZ die Umsetzung eines Wirtschaftsabkommens zwischen südafrikanischen Ländern (SADC) und der Europäischen Union. Ziel ist es, den regionalen und internationalen Handel durch die Entwicklung von Wertschöpfungsketten in der Agrarverarbeitung und der Leichtindustrie zu fördern. Dabei geht es insbesondere um die Textilproduktion.

Unerwartete Aktualität bekam das Thema, als US Präsident Donald Trump seine handelspolitischen Pläne verkündete, die für Lesotho einen Zollsatz von 50% vorsahen. Dies hatte schwerwiegende Auswirkungen auf die lokale Textilproduktion, den wichtigsten Wirtschaftszweig im Land, dessen Hauptabsatzmarkt die USA sind. Später wurde der Zollsatz zwar auf 15% gesenkt, dies stellt jedoch nach wie vor ein gewaltiges Hemmnis dar.

Umso wichtiger ist daher die Stärkung der Handelsbeziehungen zwischen Lesotho und der EU, da das Land neue Absatzmärkte für seine (Textil-) Exporte erschließen muss. Die Aufgaben, die ich während des Projekts übernommen habe, waren sehr viel-fältig, wobei der Schwerpunkt unserer Arbeit in der Beratung lokaler Unternehmen lag, insbesondere im Textilsektor. Dabei unterstützten wir sie bei der Überarbeitung ihrer Businesspläne und beim Einsatz digitaler Werkzeuge, etwa Excel-Tools zur Kostenkalkulation. Ein weiterer wichtiger Aufgabenbereich war die Unterstützung bei der Angebotserstellung, beispielsweise für die Belieferung einer großen südafrikanischen Einzelhandelsgruppe.

Ein zentraler Teil des Projektes ist der Apparel Business Hub. Dabei handelt es sich um eine ehemalige Produktionshalle, die bereits vor über zehn Jahren stillgelegt wurde und nun wieder in einen Zustand versetzt wird, in dem sie als Produktionsstätte genutzt werden kann. Da viele der alten Maschinen – unter anderem Nähmaschinen – noch vorhanden waren, wurden diese von Fachleuten repariert. Im Sinne eines kostenschonenden Ansatzes wurden aus mehreren nicht mehr funktionsfähigen Maschinen funktionsfähige Einheiten zusammengesetzt. Ziel des Apparel Business Hubs ist es, den Unternehmen, die am RVCL+ Projekt teilnehmen, die Möglichkeit zu bieten, ihre Produktionskapazitäten zu erhöhen und flexibler zu gestalten. In der letzten Woche meines Praktikums konnte der Business Hub schließlich – in Anwesenheit des Wirtschaftsministers von Lesotho – eröffnet werden.

Der Projektansatz ist aus mehreren Gründen interessant. Zum einen ermöglicht er es, eine zuvor aufgegebene Produktionsstätte wiederzubeleben. Außerdem bietet sich die Chance auf engere Kooperationen zwischen den Unternehmen – etwa durch gemeinsamen Rohstoffeinkauf oder gemeinsame Ausbildungsprogramme für die Beschäftigten. Das könnte die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen verbessern. Zudem bietet das Gelände ausreichend Platz für eine spätere Erweiterung, da zunächst nur ein Teil der Fläche genutzt wird und perspektivisch die gesamte Anlage wiederhergestellt werden soll.

Auch für die GIZ ist dieser Ansatz attraktiv: Die Nutzung und Instandsetzung vorhandener Infrastruktur ist eine kosteneffiziente Alternative zu einem Neubau. Angesichts sinkender Projektmittel stellt dies einen vielversprechenden Ansatz dar, um mit begrenzten Ressourcen größtmögliche Wirkung zu erzielen.

Ein weiteres Highlight war die Organisation der PELE Fashion Show, die am 25. November stattfand und somit den Abschluss meines Praktikums bildete. Ziel der Veranstaltung war es, lokalen Unternehmen eine Plattform zu bieten, ihre Produkte einem breiteren Publikum zu präsentieren und potenzielle Kundinnen und Kunden zu erreichen.

Das Projekt hat mir persönlich sehr viel bedeutet: Es war eine tolle Möglichkeit, Lesotho und die Menschen vor Ort kennenzulernen. Die Arbeit in einem internationalen Team hat mir gezeigt, wie wichtig Offenheit und Flexibilität sind und wie sehr unterschiedliche Perspektiven den eigenen Blick erweitern können. Das ASA Programm kann ich daher uneingeschränkt empfehlen auch ohne langfristige Karrierepläne in der Entwicklungszusammenarbeit, denn die Einblicke und die persönlichen Kontakte, von denen einige zu Freundschaften geworden sind, prägen mich nachhaltig.


Zum Schluss möchte ich mich noch einmal herzlich beim Vorstand und den Mitgliedern des Freundes und Förderkreises bedanken. Für ihre Unterstützung bin ich ihnen sehr dankbar.