Diverse Redakteure12. September 2010 Pressespiegel zur Internatsschließung

Gaienhofen

Schloss Gaienhofen gibt Internat auf

Die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen schließt ihr Internat bis zum Beginn des Schuljahrs 2013/2014. Gleichzeitig soll die Schule jedoch ausgebaut werden: Ab Schuljahr 2011/2012 soll eine Realschulklasse eingerichtet werden.

Die evangelische Internatsschule Gaienhofen

Patrick Seeger (dpa)

Der Beschluss habe, so Schulleiter Dieter Toder, vor allem wirtschaftliche Gründe: Die Nachfrage nach Internatsplätzen sei in den vergangenen Jahren rückläufig gewesen. Es gehe darum, den Schulstandort für die Zukunft zu sichern.

Geplant ist, ab dem Schuljahr 2011/2012 ein „Evangelisches Schulzentrum am Bodensee“ einzurichten: Neben dem allgemeinbildenden Gymnasium und dem neuen Wirtschaftsgymnasium steht dann auch eine einzügige Realschule zur Verfügung.

Um neue Räume zu schaffen, wird der Schulträger, die Schulstiftung der evangelischen Landeskirche in Baden, das historische Schloss sanieren. Gleichzeitig soll ein Tagesinternat aufgebaut werden: Es wird Förder- und Freizeitangebote am Nachmittag geben. Schüler, die aktuell das Internat besuchen, können dort noch weitere drei Schuljahre bleiben.

Die Schule

Schülerzahlen: Derzeit hat die Schule 540 Schüler, von denen 60 im Internat wohnen. Das Wirtschaftsgymnasium besteht aus einer Klasse mit 25 Schülern.Geschichte: Das Internat wurde 1904 als Landerziehungsheim für Mädchen von Bertha von Petersenn gegründet und nach reformpädagogischen Ideen von Hermann Lietz betrieben.

Ein Grundgedanke war die Übernahme von Eigenverantwortung. 1946 wurde die Schule auf Initiative des evangelischen Pfarrers Hermann Senges neu gegründet. Heute ist Unterricht in Wirtschaftsethik ein Kennzeichen der Schule. 2009 wurde das Wirtschftsgymnasium gegründet.

Gaienhofen

Gaienhofen schließt Internat

Die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen gibt ihren Internatsbetrieb auf. Dafür soll ab 2011/12 eine Realschulklasse eingerichtet werden.

Lernen am Ufer des Bodensees: Das wird auch weiterhin Programm der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen sein. Den Internatsbetrieb jedoch wird die Schule künftig zugunsten eines „Schulzentrums“ aufgeben.

Bild: dpa

Die Nachricht kommt überraschend und dürfte den vorläufigen Abschluss einer über Monate hinweg geführten Bildungsdiskussion auf der Halbinsel Höri am westlichen Bodensee bilden: Die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen werde ihr Internat aus Kostengründen zu Beginn des Schuljahres 2013/14 schließen, so Schulleiter Dieter Toder.

Die Zahl der Internatsschüler sei jüngst kontinuierlich zurückgegangen. Im Gegenzug soll jedoch das Schulangebot selbst ausgebaut werden: Zum Schuljahr 2011/12 soll Schülern eine einzügige Realschule zur Verfügung stehen. Damit möchte man den Schulstandort stärken.

Außerdem ist der Aufbau eines Tagesinternats geplant: Fördermöglichkeiten und Freizeitaktivitäten sollen im Rahmen einer Ganztagesbetreuung angeboten werden. Damit soll ein „Evangelisches Schulzentrum am Bodensee“ entstehen, das als Schulzweige ein allgemeinbildendes Gymnasium, ein Wirtschaftsgymnasium und eine Realschule umfasst. Um neue Räume zu gewinnen, wird das historische Schloss umfassend saniert.

Die Entscheidung dürfte auf der Höri sowohl bestürzte wie begeisterte Reaktionen auslösen. Zum einen sind das Internat und sein Ruf untrennbar mit dem Selbstbild der Gemeinde Gaienhofen verbunden. Die Schließung werden deshalb viele als Verlust empfinden. Zum anderen hat man in Gaienhofen und den zwei weiteren Gemeinden der Halbinsel, Moos und Öhningen, im vergangenen Jahr intensiv über das Thema „Schule“ diskutiert. Wie an vielen anderen Orten im ländlichen Raum macht sich der demografische Wandel bemerkbar: Die Hauptschulen in Gaienhofen und Öhningen verzeichnen einen dauerhaften Schülerrückgang.

Die Gaienhofener Hauptschule beantragte die Einrichtung einer Werkrealschule, scheiterte aber an der geforderten Zweizügigkeit. An der Öhninger Hauptschule ist die Lage prekär: Dort sind im kommenden Schuljahr nur eine Handvoll Schüler für die fünfte Klasse angemeldet. Eltern äußerten immer wieder den Wunsch nach einer Realschule.

Realschüler von der Höri müssen entweder die Realschule in Radolfzell besuchen, die inzwischen vierzügig geführt wird oder einen sehr langen Anfahrtsweg Richtung Singen in Kauf nehmen. Eine Bürgerinitiative nahm sich des Themas an und organisierte eine Veranstaltung und eine Fragebogenaktion. Sie brachte die Verbundschule ins Gespräch, in der Haupt- und Realschule unter einem Dach vereint sind.

Mit der Wende an der Schule Schloss Gaienhofen ist ein Problem gelöst: Es wird zwar keine staatliche, dafür eine private Realschule geben. Die Nachfrage nach diesem Schulzweig ist ungebrochen. Entsprechend der Situation zweigeteilt fällt die Reaktion des Bürgermeisters von Gaienhofen, Uwe Eisch aus. Er freue sich sehr über die Einrichtung eines Realschulzweigs: „Das hilft uns allen in der Diskussion um eine Sicherung und Aufwertung des Schulstandortes Höri ein großes Stück weiter.“

Gleichzeitig äußert sich Eisch bestürzt über die Aufgabe des Internatsbetriebs: „Der Name ‚Internatsschule Schloss Gaienhofen' ist mit dem Namen der Gemeinde fest verbunden und weit über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt. Die Internatsschule ist ein Stück Identität der Gemeinde.“

Ganz ohne dunkle Flecken ist der Ruf der Schule allerdings nicht. Einige ihrer Absolventen zählen heute zur bundesdeutschen Prominenz. Unter ihnen Schriftsteller Bodo Kirchhoff, der im März im „Spiegel“ über seine Missbrauchserfahrung am Internat in Gaienhofen in den 60er Jahren berichtete.

Gaienhofen

Realschule ersetzt in Zukunft Internat

Gaienhofen – Die Bezeichnung „Evangelische Internatsschule Schloss Gaienhofen“ gehört der Vergangenheit an: Zum Schuljahr 2013/14 soll das Internat der Schule geschlossen werden. Dies ist keine Kleinigkeit: Immerhin verbindet die Gemeinde Gaienhofen einen Teil ihres Selbstbildes damit, Standort eines renommierten Internates zu sein.Verbunden ist die Entscheidung allerdings mit einem Ausbau der schulischen Angebote: Ab Schuljahr 2011/2012 soll Schülern eine einzügige Realschule zur Verfügung stehen.

Hinter Mauern verborgen blieben die Planungen rund um die Schule Schloss Gaienhofen. Jetzt weiß man mehr: Das Internat wird zum „Schulzentrum“ umgewandelt.

Bild: Jarausch

Eingebettet wird diese in ein „Evangelisches Schulzentrum am Bodensee“, das die bestehenden Schulzweige (allgemeinbildendes Gymnasium und Wirtschaftsgymnasium) und die Realschule umfasst. Zusätzlich soll ein Ganztagesbetrieb eingerichtet werden.

Der Grund für die Entscheidung ist wirtschaftlicher Natur: In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage nach Internatsplätzen rückläufig gewesen, so Schulleiter Dieter Toder. So hat die Schule nur noch 65 Internatsschüler. Ab Mitte der 80er Jahre habe die Zahl der Internatsschüler kontinuierlich abgenommen. Der Schulträger, die Schulstiftung der evangelischen Landeskirche in Baden, habe sich deshalb zu einem Umbau des Schulkonzepts in Gaienhofen entschlossen. „Es tut uns weh, das Internat zu schließen“, so Schulleiter Dieter Toder, „aber es ist nicht unbedingt sinnvoll sich gegen den Trend zu stemmen.“ Zumal das Bildungsangebot im Zuge dieser Entscheidung vergrößert werde: Der Schulträger, die Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden, wird in den Schulstandort investieren, um neue Räume für die geplante Realschule zu schaffen. Dies beinhaltet auch eine Sanierung des Schlossareals. Dass Eltern auf der Höri den Wunsch nach einer Realschule äußerten, habe man registriert, so Dieter Toder. Insofern fülle man eine Lücke, die der Staat nicht schließen konnte.

Gaienhofens Bürgermeister Uwe Eisch reagierte erfreut und bestürzt zugleich: Zum einen begrüßte er die Entscheidung für einen Realschulstandort. „Das Bildungsangebot für die Höri wird damit um einen wesentlichen Part gestärkt und wir sind in der Lage, nahezu alle Schultypen auf der Höri anzubieten: von der Grundschule bis zum Abitur.“ Die Einrichtung der privaten Realschule ermöglicht damit einen vorläufigen Abschluss der Diskussion um Werkrealschule und Realschule auf der Höri. Gleichzeitig bedauert der Bürgermeister die Aufgabe des Internats: „Die Internatsschule ist ein Stück Identität der Gemeinde und für meine Begriffe nicht wegzudenken.“ Während man beginne, durch die Umstrukturierung des Angebots Fuß zu fassen, komme die Schließung des Internats zur Unzeit. Er wolle bezüglich dieser Frage persönlich mit dem Schulträger in Dialog treten.

Baden-Württemberg, Seite 10

Gaienhofen

Kritik an Schließung des Internats

[2]

Ehemalige Schüler zeigen sich enttäuscht über die Schließung des Internats in Gaienhofen. Auch der Elternbeirat kritisiert die mangelnde Transparenz bei der Entscheidung.

Gaienhofen – Auf wenig Begeisterung und zum Teil völliges Unverständnis bei vielen ehemaligen Internatsschülern stößt die Entscheidung, das Internat der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen zu schließen. So äußert sich Tobias Engelsing, heute Direktor der Städtischen Museen in Konstanz, der mehrere Jahre Mitglied im Verwaltungsrat der Schule war: „Die Entscheidung der Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche bedauere ich außerordentlich. Der entschuldigende Hinweis auf die wirtschaftlichen Zwänge verdeckt die wahren Ursachen: Seit Jahren hat es die Kirche versäumt, in Gaienhofen in ein profiliertes internats-pädagogisches Programm zu investieren und Werbung für das Internat zu machen. Die Kirche hat das Traditionsinternat Gaienhofen langsam sterben lassen.“ Das Konzept, die Schule in ein Schulzentrum ohne Internat umzuwandeln, überzeugt ihn nicht: „Dieses Konzept ist Regionalliga und mag für die Region sinnvoll sein. Weit über die Region hinaus bedeutsam wäre gewesen, die Kirche hätte weiterhin auch auf die wunderbare pädagogische Idee der Internatserziehung nach christlichen Leitbildern gesetzt.“

Michael Blank, der 1996 an der Internatsschule Schloss Gaienhofen sein Abitur ablegte und heute in London als Portfoliomanager bei einem Investmentfond beschäftigt ist, sieht das ähnlich: „Die Schließung des Internats ist überhaupt nicht nachzuvollziehen, besonders wenn man sich die Wartelisten an vielen Internaten anschaut.“ Das Internat habe den Charakter der Internatsschule Schloss Gaienhofen ausgemacht. „Aus solch einer überschaubaren Institution mit klarem Profil eine beliebige Gesamtschule zu machen, ist ein radikaler Wechsel.“ Als bittere Enttäuschung bezeichnet er den Bruch der Kirche mit der jahrelangen Tradition. Gerade die Unterstützung der aktuellen Schüler durch die ehemaligen Internatsschüler werde der Schule in Zukunft fehlen.

Karina Christen, ebenfalls Gaienhofen-Absolventin und heute Politik-Redakteurin beim SÜDKURIER, empfindet es als seltsam, wenn es die Bezeichnung „Evangelische Internatsschule Schloss Gaienhofen“ künftig nicht mehr geben wird. „Man hat ein wenig das Gefühl, die eigene Biografie korrigieren zu müssen.“ Grundsätzlich äußert sie Verständnis für eine Entscheidung, die unter wirtschaftlichem Druck zustande gekommen sei. „Es ist aber ein völlig unerwarteter und bitterer Schritt, der auch das Flair von Gaienhofen beeinträchtigt.“ Sie habe es in ihrer Schulzeit sehr genossen, Klassenkameraden aus unterschiedlichen Ländern zu haben.

Jörg Kattermann, aktueller Elternbeiratsvorsitzender, bedauert die Entscheidung und ihre Folgen für Schüler, Mitarbeiter und Lehrer ebenfalls: „Gerade das Wirtschaftsgymnasium und die Realschule, die wir als Höri-Eltern sehr begrüßen, wären eine große Chance für das Internat gewesen. Bei der Entscheidungsfindung hätten wir uns eine bessere Einbindung und mehr Transparenz gewünscht.“ Bei der Umsetzung der Pläne würden sich die Schulleitung und die Schulstiftung an ihren Versprechen messen lassen müssen, die Qualität und Wirtschaftlichkeit der Schule zu verbessern.

Hans-Peter Rodenhausen, Vorsitzender des CDU Gemeindeverbandes Gaienhofen, sieht den Entschluss, eine Realschule anzubieten, als positive Entwicklung für die Höri: „Die CDU Gaienhofen begrüßt diese für unsere Region gesellschaftspolitisch bedeutsame Entscheidung mit Freude, bedauert die absehbare Schließung des Internates. Um den Besuch dieser Realschule für die Kinder der Höri möglichst kostenlos zu garantieren, unterstützen wir die staatliche Förderung und werden intern einen Parteiantrag stellen.“

Gaienhofen

Ein Schulzentrum für Gaienhofen

Gaienhofen – Was die einen empört, sorgt bei anderen für Vorfreude: Die Nachricht, dass die Evangelische Schule Schloss Gaienhofen ein Schulzentrum mit einer Realschule einrichten will, wird von jenen, die sich intensiv an der Bildungsdiskussion auf der Höri beteiligt haben, positiv aufgenommen. So begrüßt der Landtagsabgeordnete Siegfried Lehmann (Grüne) das Realschulangebot der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen: „Ich freue mich für die Höri, dass sie eine Realschule bekommt.“Allerdings müsse man das Problem des Schulgelds lösen.

Idylle in Gaienhofen: Auch am künftig geplanten Schulzentrum inklusive Realschule soll Lernen Spaß machen. Die Entscheidung sorgt für unterschiedliche Reaktionen.

Bild: Schule Schloss Gaienhofen

Wenn es gelänge, dass Kinder von der Höri die Schule kostenlos besuchen könnten, sei das die beste Lösung. Hier sieht Lehmann auch die Gemeinden in der Pflicht und schließt sich der Forderung des CDU-Gemeindeverbands Gaienhofen an: „Ein Stück weit springt hier ein privater Träger für den Staat in die Bresche.“ Es sei angemessen, wenn sich der Staat an den Kosten beteilige. Ein wenig Sorgen macht sich Lehmann um die Hesseschule. Durch die Einzügigkeit könne kein 10. Schuljahr angeboten werden. Günstiger wäre aus seiner Sicht gewesen, man hätte an der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen einen Verbund mit der Hesseschule angestrebt.

Der Landtagsabgeordnete Andreas Hoffmann (CDU) sieht es ebenfalls als Gewinn, dass auf der Höri nun alle Schularten vertreten sind. Er werde die Schule dabei unterstützen, die erforderliche Genehmigung für die Realschule zu erhalten. Verbunden mit der Genehmigung seien eventuell auch Landesmittel für den Betrieb der Schule. Allerdings werde die Schule Schulgeld erheben. Eine Konkurrenz zu den bestehenden Hauptschulen sei die neue Realschule nicht. Hoffmann setzt sich weiterhin für die Realisierung einer Werkrealschule auf der Höri ein: „Also das eine (Realschule) tun – ohne das andere (Werkrealschule) zu lassen.“

Christa Tirschmann, Rektorin der Hermann-Hesse-Schule, sieht die Einrichtung einer Realschule in Gaienhofen ebenfalls sehr positiv. „Die Realschule hat eine sehr hohe Akzeptanz, das ist eine gute Sache.“ Bisher habe man an der Hesseschule noch nicht über Kooperationsmöglichkeiten nachgedacht. Dennoch wolle sie die Diskussion, die in den vergangenen Monaten entstanden sei, nicht bremsen: „Die Verbundschule ist sicher vom Tisch. Aber es gibt viele Eltern, die sich ein 10. Schuljahr für die Hesseschule wünschen.“ Dies wolle man am runden Tisch weiter diskutieren.

Zehntes Schuljahr anzustreben

Ilona Schumacher, die sich im Rahmen einer Elterninitiative für das Modell einer Verbundschule eingesetzt hatte, begrüßt die Entwicklung. „Es ist erfreulich und erstaunlich zugleich, wie schnell die Höri jetzt eine Realschule bekommt.“ Die Vision des Höriforums von kooperierenden Schultypen sei damit vom Tisch: „Jetzt hat ein privater Träger die Chance, seine Vision zu verwirklichen.“ Ihr ist wichtig, dass man das Augenmerk auf die beiden staatlichen Hauptschulen auf der Höri richte. Ein zehntes Schuljahr in Form eines Modellversuchs sei anzustreben.

Günter Merkel, der die Internatsschule Schloss Gaienhofen als Lehrer erlebt hat und später Mitglied im Stiftungsrat wurde, gibt dem künftigen Schulzentrum an der Evangelischen Schule Schloss Gaienhofen große Chancen. „Als Höribewohner sehe ich die Schule auch als kulturelles und religiöses Zentrum.“ Er hätte sich zwar eine Umstrukturierung mit Erhalt des Internats gewünscht, aber dies sei nicht durchsetzbar gewesen.

Mehr zum Thema: Seite 9

Gaienhofen

Internat Gaienhofen

Das Internat ist über 100 Jahre alt, dem Geist der Zeit entsprechend wurden damals ausschließlich Mädchen unterrichtet.

Nach dem 2. Weltkrieg erfolgte die Neugründung, verbunden mit einer inhaltlich geänderten Ausrichtung: Jungen und Mädchen sollten gemeinsam erzogen werden. Außerdem bekannte sich die Schule zu einem christlichen Leitbild. Damit wurde sie zu einer Visitenkarte der badischen Landeskirche. Eng wurde es für das Internat Gaienhofen, als erst die Zahlen der Internen und die Einnahmen aus der Kirchensteuer zurückgingen. (uli/Bild: dpa)

Gaienhofen

Internatsschule soll Chance bekommen

Ehemalige Schüler appellieren an die Landeskirche und bieten mehr Geld für Stipendien an.

Ehemalige Schüler der Internatsschule Schloss Gaienhofen wollen die Institution retten. Viele Ex-Schüler haben einen Appell unterzeichnet.

Bild: Archiv

Gaienhofen – Die traditionsreiche Internatsschule Schloss Gaienhofen am Bodensee soll weiter bestehen bleiben, zumindest wenn es nach dem Willen der ehemaligen Schüler geht. Rund 250 Altschüler haben einen Appell „Pro Gaienhofen“ unterzeichnet, den sie an die Schulstiftung der Evangelischen Landeskirche in Baden richten, die Träger des Internats ist.

Die Kirche, die ihre Zuschüsse an ihre Schulen reduzieren wird, verfolgt das Ziel, das Gaienhofener Internat zum Schuljahr 2012/13 zu schließen und die Einrichtung künftig als reine Regionalschule mit Gymnasium, Wirtschaftsgymnasium und neuem Realschulzweig weiter zu führen. Gegen diese Schließungsabsicht des Internats wende sich der rund 1000 Mitglieder zählende Altschülerverein. Der Verein begrüße die Erweiterungspläne, kämpfe aber für den Erhalt des Internats und somit das „Alleinstellungsmerkmals“ der Gaienhofener Schule, schreibt der Sprecher der Pro-Gaienhofen-Initiative, der Konstanzer Museumsdirektor Tobias Engelsing, in einer Pressemitteilung.

Er hat gemeinsam mit dem Konstanzer Unternehmer Michael Veeser direkte Verhandlungen mit dem Oberkirchenrat geführt. Im Anschluss daran richteten die Ehemaligen nun einen Appell an die Trägerstiftung in Karlsruhe, der Internatsschule eine befristete Chance zur Zukunftssicherung zu geben. Der Vorschlag: „Die Schule würde sich verpflichten, die wegen der wirtschaftlichen Gesamtlage gesunkene Internatsbelegung bis zum Herbst 2011 um etwa 30 Prozent zu steigern. Auch sollen ehrgeizige pädagogische Inhalte eines jüngst erarbeiteten „Masterplans Gaienhofen 2020“ zügig umgesetzt werden.“ Der Ehemaligenverein sagt der Schule im Gegenzug wesentlich höhere Stipendiengelder und eine Reihe von Leistungen für die Internatsschule zu.

Den Appell, für den auch weiterhin Unterstützungszusagen gesammelt werden, zeichneten nach Angaben der Initiative bislang namhafte Absolventen des 1904 gegründeten und seit 1946 von der Evangelischen Kirche geführten Internats. So etwa der Herausgeber des Berliner „Tagesspiegel“ und frühere SÜDKURIER-Chefredakteur Gerd Appenzeller, der Sohn des Dramatikers Rolf Hochhuth, Professor Martin Hochhuth, der Berliner Filmemacher Douglas Wolfsperger und zahlreiche Ehemalige aus aller Welt, die ihrer Schule am Bodensee als Förderer noch immer verbunden sind.

Die Entscheidung über das Internat wird Anfang September im Stiftungsrat in Karlsruhe fallen. Der Altschülerverein unterhält ein weltweit gespanntes Netzwerk aus ehemaligen Schülern und Förderern und unterstützt das Internat seit Jahrzehnten mit Stipendiengeldern, Berufsberatung und anderer Hilfe.

Radolfzell

Bodo Kirchhoff auf Konfrontationskurs mit der Landeskirche

Im Streit um die Schließung des Internats Gaienhofen stellt sich der Schriftsteller auf die Seite der Initiative ehemaliger Schüler, die die Einrichtung retten wollen.

Der Schriftsteller Bodo Kirchhoff (61) hat sich in der Debatte um das Internat Gaienhofen auf die Seite der Befürworter der Schule gestellt. Darauf weist Tobias Engelsing als Sprecher der inzwischen mehr als 400 Altschüler, Eltern, Förderer und Mitarbeiter hin, die von der Evangelischen Landeskirche den Erhalt des Internats fordern. Die kirchliche Schulstiftung will das Internat 2012/13 schließen und die Schule nur noch als Regionalschule fortführen. Bodo Kirchhoff war von 1959 bis 1968 interner Schüler des Internats. Im Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen an kirchlichen Einrichtungen berichtete er im Magazin „Der Spiegel“ über ihm zugefügte sexuelle Gewalt durch einen Lehrer Anfang der 60er Jahre. Die evangelische Schulstiftung nimmt in ihren aktuellen Schließungsabsichten auch auf diese Missbrauchsdebatte Bezug. Laut Tobias Engelsing hält Bodo Kirchhoff dies für „Blödsinn“. Fälle aus lange zurück liegender Zeit dürften nicht als Argument heran gezogen werden, das Internat zu schließen. Die Initiative „Pro Gaienhofen“, die der Schriftsteller als prominenter Ehemaliger unterstützt, setzt sich dagegen mit eigenen Angeboten und finanziellen Förderzusagen dafür ein, die Internatsschule wieder wettbewerbsfähig zu machen. Am 9. September soll die Schulstiftung nach dem Willen des zuständigen Oberkirchenrats Christoph Schneider-Harpprecht einen zunächst gescheiterten Schließungsbeschluss erneut fassen und damit das Schicksal des Internats besiegeln.

Gaienhofen

Internat Gaienhofen: Oberkirchenrat gerät unter Druck

Gaienhofen – In der Diskussion um das Internat in Gaienhofen sieht sich der Oberkirchenrat der evangelischen Landeskirche Baden, Christoph Schneider-Harpprecht, wachsender Kritik ausgesetzt. Die Kirche ist Trägerin der Einrichtung.

Das Internat in Gaienhofen ist ein Markenzeichen in der Bildungslandschaft am westlichen Bodensee. Die Frage ist, wie lange das noch so sein wird.

Bild: Jarausch

Der Kirchenfunktionär wird morgen den Stiftungsräten die Schließung des Internats vorschlagen. Zwar soll das Schulzentrum durch einen Realschulzweig zum bestehenden Gymnasium und Wirtschaftsgymnasium ergänzt werden; mit der Schließung des Internats würde die am westlichen Bodensee auf der Halbinsel Höri gelegene Bildungseinrichtung aber ihr Markenzeichen verlieren.

Es sind wirtschaftliche Gründe, die den Oberkirchenrat zu dem harten Schnitt veranlassen. Mehr als 200 Internatsschüler gab es früher, parallel zu den rückläufigen Zahlen verschob sich das Gewicht im Laufe der Jahre vom Internat hin zu einer Regionalschule mit externen Schülern. Inzwischen ist die Zahl der Internatsschüler auf 60 gesunken und angesichts der geringen Nachfrage hält Christoph Schneider-Harpprecht die für den Erhalt des Internats erforderlichen Investitionen in Millionenhöhe für nicht mehr zu rechtfertigen. Dass bei der Landeskirche Matthäi am Letzten ist, geht aus einem Schreiben an die Bundestagsabgeordneten des Wahlkreises Konstanz hervor. Darin bedauert der Oberkirchenrat die Entwicklung, aber „es wäre ein viel herberer Schlag, wenn die Schulstiftung der Landeskirche sich bei der Weiterführung des Internates in einigen Jahren entschließen müsste, die Schule in Gaienhofen insgesamt zu schließen“.

Die Rechnung allerdings hat der Funktionär in Karlsruhe ohne die ehemaligen Internatsschüler gemacht. Sie haben unter der Federführung des Konstanzer Museumsdirektors Tobias Engelsing eine Initiative zur Rettung des Internats gestartet, die mit rund 400 teils prominenten Unterstützern wie dem Schriftsteller Bodo Kirchhoff Druck auf die Landeskirche ausüben. Unterstützt werden sie vom Elternbeirat, den örtlichen Bundestagsabgeordneten Andreas Jung (CDU), Peter Friedrich (SPD) und Birgit Homburger (FDP). Auch der Konstanzer Landrat Frank Hämmerle (CDU) schloss sich dem Kreis der Unterstützer an.

Erreicht werden soll vor allem eine Vertagung der Entscheidung. Die Notwendigkeit dazu ergibt sich für die Initiatoren allein wegen eines Gutachtens zu den Überlebenschancen des Internats: Es wird vom Oberkirchenrat und seinen Initiatoren konträr bewertet. Die Bereitschaft zur Anwerbung von Internatsschülern sowie die Aufstockung der Stipendien auf mindestens 100 000 Euro für die Dauer von drei Jahren sind weitere Trümpfe der Internatsbefürworter. Zunehmendem Druck sieht sich Christoph Schneider-Harpprecht zudem wegen seines Rechtsverständnisses ausgesetzt. Bereits im Juli ließ er den Stiftungsrat über die Schließung abstimmen, wobei die erforderliche Zweidrittelmehrheit verfehlt wurde. Jetzt steht das Thema erneut zur Debatte – ein nach Ansicht der Internatsbefürworter undemokratisches und unrechtmäßiges Vorgehen.

Diskussionsrunde des Südkurier

(…) Sebastian Barth und Erika Blank brannte ein anderes Thema unter den Nägeln: Ihnen macht die geplante Schließung des Evangelischen Internats in Gaienhofen Sorgen. Sebastian Barth ist Mitglied des Förderkreises der ehemaligen Schüler und setzt sich für eine Erhaltung des Internats ein. Wenn es nach dem Plan des Förderkreises ginge, sollte das Jungenheim des Internats saniert werden, ein Neubau die Platznot der Schule mildern. Die Einrichtung einer Realschule sei ebenso vorgesehen. (…)